Was haben der Gotthard-Tunnel und S 21 gemeinsam? Hierauf würden die schwäbischen Befürworter des Untergrundbahnhofs, da sie sich jeglichen Vergleich mit den Schweizern, diesen arroganten Schnöseln, die bei ihrem blöden Projekt so unverschämt erfolgreich waren, verbitten, wahrscheinlich völlig indigniert antworten: Nichts. Die Oben-bleiben-Leute hingegen würden die Trillerpfeife aus dem Mund nehmen und darauf hinweisen, dass der Bau des Gotthard-Tunnels durch einen Volksentscheid zustande kam und auch sie sich an ihren freien Nachmittagen für einen solchen von der Staatsgewalt verprügeln lassen.
Ja, das ist der Traum der biederen S-21-Gegner, der Lehrer aus Vahingen und Wurstverkäufer aus Uhingen: direkt Einfluss nehmen auf die Politik, das Bauvorhaben kippen, der repräsentativen Demokratie zeigen, was eine Harke ist. Wir sind das Volk! Wen interessiert hier noch der Umstand, dass der Schweizer Volksentscheid am Anfang des Tunnelbaus stand, während man im Ländle erst dann auf die Idee einer Abstimmung kam, als die Sache bereits einem abgestandenen Schwabenbräu glich?
Vor der Montagsdemonstration am 18. Oktober haben S-21-Gegner vor dem Stuttgarter Rathaus siebentausend Sauergurken im Glas platziert, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass sie den Bürgermeister für einen „Demokratie-Gurken-König“ halten. Es hieß, dass man die Gurken selber essen würde, falls die Stadt sich weigerte, die Gläser anzunehmen. Mit dieser Aktion, deren politische Sprengkraft nicht überschätzt werden kann, haben die erbosten Stuttgarter Bürger wieder einmal bewiesen, dass ihnen beim Kampf gegen S 21 alles zuzutrauen ist.

